Die Rolle der Physiotherapie bei Morbus Bechterew

Wie ihr wisst, ist Morbus Bechterew eine entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule, die zu Schmerzen und Steifheit führen kann. Die Symptome können sich im Laufe der Zeit verschlimmern, was in der Regel zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit und einer beeinträchtigten Lebensqualität führt. Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der Therapie von Morbus Bechterew und kann dazu beitragen, die Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. In diesem Artikel beschreiben wir die Rolle der Physiotherapie bei Morbus Bechterew und zeigen auf, wie es um die aktuelle Evidenzlage der einzelnen physiotherapeutischen Interventionen bei diesem Krankheitsbild steht. Doch zunächst ein kurze Wiederholung.

Was ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew, auch bekannt als ankylosierende Spondylitis, ist eine entzündliche Erkrankung, welche hauptsächlich die Wirbelsäule betrifft. Die genaue Ursache von Morbus Bechterew ist bisher noch nicht bekannt. Die Forschung geht aber bis heute davon aus, dass es eine genetische Komponente gibt, welche das Risiko der Erkrankung mitbestimmt.

Die Symptome von Morbus Bechterew beginnen normalerweise im Jugendalter bzw. im jungen Erwachsenenalter und verschlimmern sich zumeist im Laufe des Alterns. Die häufigsten Symptome der ankylosierenden Spondylitis sind Schmerzen und Steifheit im unteren Rückenbereich, die sich langsam auf den oberen Rücken und den Nacken ausbreiten können. Patienten klagen außerdem oft über Müdigkeit, Appetitlosigkeit und bei einem entzündlichen Schub über Fieber.

Die Behandlung von Morbus Bechterew

Die Behandlung von Morbus Bechterew hat zum Ziel, zunächst die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und letztendlich die Lebensqualität zu steigern bzw. zu erhalten. Es gibt bislang zwar keine Heilung für Morbus Bechterew, dennoch können die Symptome gut kontrolliert werden. Die Behandlung besteht aus einer Kombination von Medikamenten, Physiotherapie und ergänzenden Therapien wie Massage und Akupunktur. Im Folgenden beschreiben wir die Relevanz der Physiotherapie bei Morbus Bechterew.

Die Rolle der Physiotherapie bei Morbus Bechterew

Die Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung von Morbus Bechterew. Die Ziele der Physiotherapie sind es, die Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit zu verbessern bzw. zu erhalten und die Muskeln zu kräftigen. Die Physiotherapie bei Morbus Bechterew kann ebenfalls dazu beitragen, die Körperaufrichtung sowie das Gleichgewicht zu schulen. Eine Studie von Gravaldi et al. (2022) untersuchte die Auswirkung unterschiedlicher physiotherapeutischer Interventionen auf die Symptomatik der ankylosierenden Spondylitis. Jene Ergebnisse der Untersuchung stellen wir euch im Folgenden vor.

Bewegungs- und Trainingstherapie

Bewegungsübungen sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Physiotherapie bei Morbus Bechterew. Ziel der Aktivität ist es, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern und die rumpfumliegende Muskulatur zu stärken. In der Studie von Gravaldi et al. (2022) konnte vor allem das Pilates als wirksame Therapiemaßnahme bestätigt werden. Ein regelmäßig durchgeführtes Pilatestraining wirkt sich demnach positiv auf Schmerzen, Müdigkeit, Schwellungen und Morgensteifigkeit bei Morbus Bechterew aus.

Krafttraining 

Ein gezieltes Krafttraining im Rahmen der Physiotherapie bei Morbus Bechterew scheint ebenfalls ein vielversprechendes Mittel in der Behandlung zu sein. Zwar führt das Krafttraining alleine bedingt zu einer Symptomverbesserung, allerdings scheinen diese Ergebnisse nur kurzfristig anzuhalten. Eine weitaus nachhaltigere Intervention dagegen ist ein sogenanntes „multimodales Trainingsprogramm“. Dieses besteht aus verschiedenen Kraft- und Dehnungsübungen und führt gepaart mit spezifischen Beweglichkeitsübungen zu einer Verbesserung der Symptome bei Patienten mit Morbus Bechterew.

Gravaldi et al. (2022) suggerieren, eine aktive und physiotherapiegestützte Trainingstherapie bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis durchzuführen und ihnen zusätzlich einen Trainingsplan mit sicheren und einfachen Übungen für zu Hause zu erstellen.

Aufklärung 

Ein wichtiger Bestandteil der Physiotherapie bei Morbus Bechterew ist die Aufklärung bzw. die Edukation. Es ist wichtig, dass ihr Patienten mit Morbus Bechterew umfassend über ihre Erkrankung und deren Auswirkungen informiert, um ein angemessenes Selbstmanagement zu ermöglichen. Hier steht vor allem das Verhalten sowie die Selbstwirksamkeit im Vordergrund. Patienten sollten über Bewegung, Ernährung, die Wichtigkeit von Schlaf und Erholung sowie die negativen Auswirkungen von Stress auf die Krankheit aufgeklärt werden. Neben der aktiven Physiotherapie bei Morbus Bechterew ist also auch der edukative Part von großer Relevanz.

Entspannungsmaßnahmen

Eine Entspannungsmassage kann ebenfalls Teil der Physiotherapie bei Morbus Bechterew sein. Das übergeordnete Ziel ist es, die Muskeln zu entspannen und die Durchblutung zu fördern. Dies kann unterstützend bei einer Verbesserung der Beweglichkeit helfen und vor allem die Steifigkeit der Muskeln reduzieren. Ein weiterer effektiver Aspekt der Physiotherapie bei Morbus Bechterew ist die Balneotherapie. Die Balneotherapie ist eine Behandlungsmethode, die natürliche Mineralquellen und Thermalbäder nutzt und kann Patienten mit Morbus Bechterew bei der Schmerzlinderung, Entzündungs- sowie Stressreduktion unterstützen.

Fazit

Gravaldi et al. (2022) zeigen, wie ein effektiver und multimodaler Ansatz für die Physiotherapie bei Morbus Bechterew aussehen sollte. Neben einer aktiven Bewegungskomponente sollte ein spezifisches Kraft- und Beweglichkeitstraining sowie passive Entspannungsmaßnahmen in Betracht gezogen werden. Außerdem spielt das Selbstmanagement der Betroffenen eine wichtige Rolle, was durch Aufklärung verbessert werden kann.

Den Volltext der Originalstudie findet ihr hier.

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