Eignet sich das Dehnen als Verletzungsprävention?

Dehnen als Verletzungsprävention

Das Dehnen ist ja bekanntlich eine häufig praktizierte Maßnahme zur Verbesserung der Flexibilität und zur Vorbeugung von Verletzungen im Sport. Obwohl das Dehnen seit langem als essenzieller Bestandteil des Trainings angesehen wird, gibt es bis dato widersprüchliche Ergebnisse in der Literatur darüber, ob das Dehnen nun wirklich Verletzungen verhindern kann oder nicht. In dieser Zusammenfassung diskutieren wir daher die wichtigsten Erkenntnisse darüber, ob das Dehnen als Verletzungsprävention geeignet ist und fassen eine neue Studie zu diesem Thema zusammen

Dehnen und Verletzungsprävention: Theoretische Grundlagen

In der Theorie soll das Dehnen dazu beitragen, die Flexibilität der Muskeln und Gelenke zu erhöhen, was wiederum zu einer Verbesserung der Beweglichkeit führt. Es wird angenommen, dass das Dehnen daher dabei hilft, Verletzungen zu verhindern. Doch ob das Dehnen als Verletzungsprävention wirklich geeignet ist, besprechen wir im folgenden Abschnitt anhand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Studien zur Wirksamkeit des Dehnens zur Verletzungsprävention

Eine Reihe von Studien haben sich mit der Frage beschäftigt, ob das Dehnen tatsächlich als Verletzungsprävention wirksam ist. Zwar konnten einige Studien eine positive Wirkung des Dehnens auf die Verletzungsprävention zeigen. Andere Übersichtsarbeiten konnten dagegen keine signifikanten Auswirkungen auf das Verletzungsrisiko feststellen.

Eine Studie aus dem Jahr 2015 untersuchte die Wirkung von Dehnübungen auf das Verletzungsrisiko bei Fußballspielern. Die Ergebnisse zeigten, dass das Dehnen keinen signifikanten Einfluss auf das Verletzungsrisiko hatte. Was dagegen gefunden wurde ist, dass das Dehnen zur Verbesserung der Flexibilität und Mobilität beitragen kann.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 untersuchte ebenfalls die Auswirkungen des Dehnens auf das Verletzungsrisiko bei Athleten. Die Studie konnte zeigen, dass das Dehnen insgesamt keinen signifikanten Einfluss auf das Verletzungsrisiko hatte. In Leistungssportlern wurde sogar festgestellt, dass sich ein statisches Dehnen negativ auf die Leistung auswirken kann.

In einer mehr als interessanten Metaanalyse von Warneke et al. (2022) wurden mehrere Tierstudien inkludiert, welche die Effekte von Dehnen auf die Muskelhypertrophie untersuchten. Es konnte gezeigt werden, dass (zumindest in Tierstudien) ein ausgiebiges Dehnen über einen langen Zeitraum und mit hoher Frequenz zu einem Anstieg der Muskelmasse führte. Diese Ergebnisse müssen nun an Menschen überprüft werden. Aber dies könnte die Funktion des Dehnens in ein komplett neues Licht rücken. Somit könnte ein intensives und statisches Dehnen ein Hypertrophietraining ergänzen und sowohl in Reha als auch in Fitness eine wichtige Rolle im Muskelaufbau spielen.

Dynamisches Dehnen als Verletzungsprävention besser geeignet?

Nachdem wir euch eine Zusammenfassung zum statischen Dehnen als Verletzungsprävention gegeben haben, analysieren wir nun ein druckfrisches Paper, welches sich mit dem dynamischen Dehnen als Verletzungsprävention auseinander gesetzt hat.

Wie bereits erläutert, steht in der Forschung vor allem das statische Dehnen im Fokus der Wissenschaft. Nun haben Behm et al. (2023) allerdings untersucht, wie sich ein dynamisches Dehnprogramm auf das Verletzungsrisiko auswirkt. Hierzu haben die Autoren zwei Studien analysiert, welche sich mit dieser Fragestellung beschäftigte.

Eine der beiden Studien fand keine signifikante Reduktion des Verletzungsrisikos im Vergleich zum statischen Dehnen. Die andere Studie dagegen suggeriert, ein dynamisches Dehnprogramm in Kombination mit dynamischen Bewegungen zu kombinieren. Beides zusammen in einem Warmup kombiniert senkt nachweislich das Verletzungsrisiko. Daher schlussfolgern die Autoren, dass beide Maßnahmen zusammen in ein professionelles Aufwärmprogramm gehören.

Hier gibt es den Originaltext zum Nachlesen.

Ein großer Vorteil gegenüber dem statischen Dehnen ist laut Behm et al. vor allem die positive Auswirkung des dynamischen Dehnens auf die ROM. Bei voller ROM ist bekannterweise das Verletzungsrisiko generell reduziert.

Schlussfolgerungen

Insgesamt gibt es widersprüchliche Ergebnisse darüber, ob Dehnen tatsächlich als Verletzungsprävention wirksam ist. Obwohl einige Studien gezeigt haben, dass Dehnen das Verletzungsrisiko reduzieren kann, gibt es andere Arbeiten, die keine signifikanten Auswirkungen feststellen konnten. Es empfiehlt sich, das dynamische Dehnen dem statischen Dehnen als Verletzungsprävention zu bevorzugen, da es nachweislich positive Auswirkung auf das Bewegungsausmaß hat. Wirksam ist es zum jetzigen Stand allerdings nur in Verbindung mit dynamischen und sportspezifischen Aufwärmübungen.

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