Atemphysiotherapie bei COPD: Effektivität und Bedeutung der pulmonalen Rehabilitation

COPD Lunge Rehabilitation

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) stellt sowohl Betroffene als auch Angehörige sowie uns Therapeutinnen und Therapeuten vor große Herausforderungen. Doch welche Rolle spielt die Atemphysiotherapie bei COPD? Bei der COPD handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung der Atemwege. Im Krankheitsverlauf wird die Atemfähigkeit der betroffenen Personen meist stark beeinträchtigt. Insbesondere die Verringerung der Atemfähigkeit trägt bei den Patientinnen und Patienten zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität bei. Dies führt natürlich ebenfalls zu einer starken Entwicklung von Ängsten unter den Betroffenen.

Auf Basis dieser Krankheitscharakteristik hat sich in der Praxis die pulmonale Rehabilitation als eine der wesentlichen Behandlungsstrategien etabliert. Diese kombiniert diverse Ansätze, wie Bewegung, Schulung der Patienten und die Atemphysiotherapie, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.

Eine der relevantesten Studien zu diesem Thema, durchgeführt von Puhan et al. im Jahre 2016, untersuchte die Effektivität der pulmonalen Rehabilitation nach COPD-Exazerbationen. Auf dieser Grundlage wollen wir mit diesem Artikel einmal einen genauern Blick auf die Bedeutung der Atemphysiotherapie im Kontext der COPD-Behandlung sowie auf die Ergebnisse der Studie werfen.

Die Herausforderungen bei COPD und die Rolle der pulmonalen Rehabilitation

Die COPD zeigt sich im Wesentlichen in einer progressiven Einschränkung des Luftstroms in den Atemwegen. Dies führt in der Folge zu Atembeschwerden, Husten und vermehrter Schleimbildung bei den betroffenen Personen. Dabei können die Ursachen jedoch sehr vielfältig sein. Als eine der häufigsten Ursachen ist hier vor allem das Rauchen zu nennen. Aber auch Faktoren, wie beispielsweise Umweltverschmutzung oder auch eine genetische Prädisposition können ursächlich sein.

Eine Heilung der COPD ist derzeit nicht möglich. Deshalb zielt die Behandlung derzeit vor allem darauf ab die Symptome zu kontrollieren. Weiterhin verfolgt die Behandlung das Ziel, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und damit die Lebensqualität der Patienten so lange wie möglich zu erhalten.

Pulmonale Rehabilitation und Atemphysiotherapie bei COPD als ganzheitlicher Ansatz

Als multidisziplinärer Ansatz macht es Sinn, die pulmonale Rehabilitation individuell an die Bedürfnisse der COPD-Patienten anzupassen. Die wichtigsten Teilbereiche der Rehabilitation sind hierbei körperliches Training und Atemphysiotherapie (obligatorisch), Ernährungsberatung sowie die psychosoziale Unterstützung der Betroffenen. Dabei spielt die Atemphysiotherapie, uns Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten auch unter dem Begriff “Atemgymnastik” bekannt, eine sehr entscheidende Rolle. Die Atemphysiotherapie fokussiert sich hierbei hauptsächlich auf die Optimierung der Atemmechanik und der Atemkontrolle sowie die Erhöhung der Sauerstoffaufnahme.

Zusammenfassung der Studienergebnisse

Die eingangs bereits erwähnte Studie von Puhan et al. lieferte einen wesentlichen Beitrag über das Verständnis der pulmonalen Rehabilation bei COPD. Darüber hinaus generierte sie wichtige Erkenntnisse über die Effektivität der pulmonalen Rehabilitation im Allgemeinen. Hierür führte das Forscherteam eine systematische Untersuchung durch, für die sie eine Vielzahl von Studien mit dem Schwerpunkt der pulmonalen Rehabilitation nach COPD-Exazerbation einbezogen und analysiert haben. Um auch Leserinnen und Leser außerhalb des medizinischen Bereichs nicht im Dunkeln tappen zu lassen: Eine Exazerbation steht für eine Verschlechterung der Krankheitssymptome, die eine Intensivierung der medizinischen Betreuung nötig machen.

Die Autorinnen und Autoren der Studie kamen zu dem Ergebnis, dass die pulmonale Rehabilitation nach COPD-Exazerbationen zu einer deutlich messbaren Verbesserung der körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten geführt hat. Weiterhin wurde die Lebensqualität sowie die Atemfunktion der betroffenen Personen erhöht.

Als eines der wichtigsten Werkzeuge stellte sich hier die Atemphysiotherapie dar. Die Atemphysiotherapie zeigte sich als besonders effektiv, da sie das Ziel verfolgt die Atemkontrolle zu steigern, die Atemmuskulatur damit kräftigt und in der Folge die Atemnot reduzierte.

Die Ergebnisse der Studie zeigen also deutlich die Bedeutung eines umfassendes Ansatzes zur Behandlung von COPD auf. Dabei ist insbesondere die Atemphysiotherapie als wichtigster Baustein und integraler Bestandteil des Behandlungskonzepts zu nennen.

Die Bedeutung der Atemphysiotherapie bei COPD

Wie bereits erwähnt, stellt die Atemphysiotherapie einen, wenn nicht den zentralen Baustein bei der Behandlung con COPD-Symptomen dar. Die Gründe für die hohe Bedeutung der Atemphysiotherapie sind im Wesentlichen:

  • Verbesserte Atemkontrolle: Da die Atemphysiotherapie vor allem das Ziel verfolgt die Atemkontrolle zu verbessern, verringert sie die Atemnot als eines der Hauptsymptome der COPD. Dies hat insbesondere auch einen Einfluss auf die mit der Krankheit verbundenen Ängste der Patientinnen und Patienten, die häufig als Begleiterscheinung auftreten.
  • Stärkung der Atemmuskulatur: Mit gezielten Übungen wird im Rahmen der Atemphysiotherapie die Atemmuskulatur gestärkt, was in der Folge natürlich auch die Atemeffizienz verbessert. Ein weiterer gewünschter Effekt ist ebenfalls die Reduzierung der Ermüdung der Atemmuskulatur.
  • Atemtechniken: Den Betroffenen werden spezielle Atemtechniken vermittelt, die zu einer Erhöhung des Sauerstoffaustausches beitragen. Darüber hinaus kann mit der gezielten Anwendung von Atemtechniken auch Schleim gelöst- und damit die Lungenfunktion länger gewährleistet werden.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die Atemphysiotherapie ist zumeist in ein umfassendes Rehabilitationskonzept eingebettet. Deshalb werden auch Effekte von körperlicher Aktivität, Ernährung oder der psychosozialen Unterstützung wirksam.

Fazit

Die hier von uns im Rahmen dieses Artikels vorgestellte Studie unterstreicht die Effektivität der pulmonalen Rehabilitation und hebt insbesondere die Atemphysiotherape als wesentliches Element eines anzustrebenden Behandlungskonzepts hervor. COPD-Patientinnen und Patienten profitieren im Rahmen der Atemphysiotherapie vor allem von einer Steigerung der Atemkontrolle sowie der Stärkung der Atemmuskulatur. Dies trägt insbesondere zur Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen bei.

Ein wesentlicher Punkt ist ebenfalls der frühzeitige Beginn der pulmonalen Rehabilitation sowie die kontinuierliche Durchführung. Durch individuell angepasste Atemübungen kann Atemnot reduziert, die Lungenfunktion erhalten und Betroffenen geholfen werden, ein aktives und erfülltes Leben trotz der Herausforderungen von COPD zu führen.

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