Ist Sport während der Chemotherapie sinnvoll?

Sport während der Chemotherapie

Die Chemotherapie ist eine klassische Behandlungsmethode für vielerlei Krebsarten. Man weiß jedoch aus unzähligen Erfahrungsberichten, dass die aggressive Therapie zum Teil starke Nebenwirkungen haben kann wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Muskelschwäche und neurologische Missempfindungen. In diesem Artikel fassen wir daher für dich den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammen und überprüfen, ob Sport während der Chemotherapie sinnvoll und sicher ist und welche Auswirkungen er auf den Körper hat.

Was passiert während der Chemotherapie im Körper?

Die Chemotherapie zielt ja bekannterweise darauf ab, die Krebszellen im Körper abzutöten oder deren Wachstum zu verlangsamen. Die Medikamente, die bei der Chemotherapie zum Einsatz kommen, wirken jedoch nicht nur auf Krebszellen, sondern auch auf gesunde Zellen im Körper. Dies hat zur Folge, dass Zellen des Immunsystems, der Muskeln und der Nerven ebenfalls angegriffen werden.

Die Nebenwirkungen der Chemotherapie wirken sich deshalb auf verschiedene Systeme im Körper aus. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen:

  • Müdigkeit: Müdigkeit ist ein häufiges Problem bei Patienten, die sich in einer Chemotherapie befinden. Der Kampf gegen die Krebszellen bedeutet ein anstrengender und mühsamer Prozess für den Körper.
  • Muskelschwäche: Die Chemotherapie und die damit einhergehende Müdigkeit kann dazu führen, dass sich die Muskeln im Körper schwächen und abbauen. Dies führt in der Regel zu einem Verlust der körperlichen Leistungsfähigkeit.
  • Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit und Erbrechen sind ebenfalls häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie. So kann beispielsweise der Appetit des Patienten beeinträchtigt sein, was sich negativ auf den Ernährungszustand des Körpers auswirkt.
  • Polyneuropathien: Da durch die Medikamente ebenfalls die neurologischen Strukturen angegriffen werden, kann es im Verlauf der Therapie zu Parästhesien, sowie zu sensorischen als auch motorischen Defiziten kommen

Auswirkungen von Sport während der Chemotherapie

Sport und körperliche Aktivität können dem Körper helfen, mit den Auswirkungen der Chemotherapie besser klar zu kommen. Es gibt zahlreiche Studien, welche die positiven Auswirkungen von Sport während der Chemotherapie untersucht haben.

Müdigkeit und Muskelschwäche

Eine Studie aus 2001 ergab, dass ein strukturiertes Sportprogramm dazu beitragen kann, die Müdigkeit und Muskelschwäche bei Frauen mit Brustkrebs während der Chemotherapie zu reduzieren. Das Programm bestand aus 45 Minuten moderater körperlicher Aktivität, wie z.B. Gehen oder Radfahren, und das für drei- bis viermal pro Woche über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die Teilnehmer berichteten von einer Verringerung der Müdigkeit und einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Übelkeit und Erbrechen

Eine weitere Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten. Die Studie ergab, dass körperliche Aktivität die Häufigkeit und Schwere von Übelkeit und Erbrechen reduzieren kann. Die Studienteilnehmer, die regelmäßig Sport trieben, berichteten über weniger Nebenwirkungen der Chemotherapie als diejenigen, die sich nicht sportlich betätigten.

Psychologische Auswirkungen

Neben den physischen Vorteilen des Sports während der Chemotherapie kann die Bewegung aber auch positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben. Eine Studie ergab zum Beispiel, dass Sport während der Chemotherapie die Stimmung bei Krebspatienten verbessern und sogar die Symptome von Angst und Depression reduzieren kann.

Welche Art von Sport während der Chemotherapie ist am besten bei einer Polyneuropathie?

Typischerweise macht sich eine Polyneuropathie durch Symptomatiken wie Taubheitsgefühle, Kribbeln und Schmerzen in den Gliedmaßen bemerkbar. In einer aktuellen Studie und Metaanalyse von Arenas-Arroyo et al. (2023) untersuchen die Autoren, wie sich ein Training auf die neurologischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie auswirkt. Untersucht wurden trainingsspezifische Interventionen auf die Symptomstärke sowie die Tiefensensibilität. Das Ergebnis:

Die Forscher konnten zeigen, dass die Bewegung eine geeignete Intervention zur Verringerung des Schweregrads einer Neuropathie während der Chemotherapie ist. Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass das sensomotorische Training die effektivste Form der Intervention darstellt, um den peripheren Schmerz bei Patienten mit Krebs zu verringern.

Die Originalstudie findest du hier!

Fazit – Sport während der Chemotherapie

Es ist wichtig zu beachten, dass während der Chemotherapie der Körper geschwächt und somit anfälliger für Verletzungen ist. Deshalb empfehlen wir Patienten, vor Beginn eines Trainingsprogramms mit ihrem Arzt abzuklären, wie und in welchem Umfang trainiert werden kann. Ein individuell ausgelegtes Trainingsprogramm kann dabei helfen, das Risiko einer Verletzung zu reduzieren.

Unterm Strich ist Sport während der Chemotherapie in vielerlei Hinsicht eine Hilfe, die Nebenwirkungen der Behandlung zu reduzieren. Es ist dennoch essenziell, dass ihr mit euren Patienten einen individuellen Trainingsplan verfolgt, um das Risiko einer Verletzung möglichst gering zu halten.

Wenn dir diese wissenschaftliche Zusammenfassung gefallen hat, dann schau doch mal in unserem Blogbereich nach. Dort findest du viele weitere Zusammenfassungen von Studien zu den Themen Sport und Gesundheit.

 

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