Behandlung von Achillessehnenverletzung – Was sagt die Wissenschaft?

Die Behandlung von Achillessehnenverletzungen hängt bekannterweise von Art und Ort der Verletzung ab. In diesem Artikel konzentrieren wir uns daher auf die zwei häufigsten Stellen der Verletzung: Die Sehnenentzündung der mittleren Achillessehne und die Insertionstendinopathie (Ansatzentzündung) der Achillessehne.

Während die Sehnenentzündung der mittleren Achillessehne eher im Übergangsbereich zum Wadenmuskel auftritt, zeigt sich der Schmerz der Insertionstendinopathie vor allem am Ansatz zum Fersenbein. Beide sind durch lokale Schmerzen und eine eingeschränkte Bewegungsfunktion gekennzeichnet. Aber fangen wir bei der Anatomie der Achillessehne an.

Die Achillessehne ist die größte und stärkste Sehne im menschlichen Körper und verbindet den Wadenmuskel mit dem Fersenbein. Man kann die Achillessehnenverletzungen in zwei Arten unterteilen: Die akute Verletzung sowie die chronische Achillessehnenverletzung.

Akut bedeutet, dass die Verletzung der Achillessehne durch plötzliche, traumatische Verletzungen auftritt. Bei der chronischen Symptomatik dagegen liegt die Ursache in degenerativen Veränderungen der Strukturen. Die Behandlung von Achillessehnenverletzungen kann je nach Schweregrad der Verletzung sowohl konservativ als auch operativ erfolgen.

Konservative Behandlung von Achillessehnenverletzungen

Die konservative Behandlung von Achillessehnenverletzungen umfasst in erster Linie die Ruhigstellung des Fußes, medikamentöse Behandlung und Physiotherapie. Durch eine Schiene versucht man, das Gelenk stillzulegen und somit die Achillessehne zu entlasten. Schmerzmedikamente wie Ibuprofen und Diclofenac (entzündungshemmende Schmerzmittel) können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.

In der Physiotherapie sollte bei Behandlung von Achillessehnenverletzungen zunächst die Schmerzlinderung sowie die Wiederherstellung der vollen Beweglichkeit auf dem Programm stehen, um daraufhin die Strukturen zu stärken und die Belastbarkeit der Muskeln und Sehnen progressiv zu steigern.

In der Regel umfasst die physiotherapeutische Behandlung von Achillessehnenverletzung sowohl passive als auch aktive Übungen. Passive Physiotherapie besteht meist aus manuellen Griffen wie Lymphdrainage, Massage sowie die Therapie von Triggerpunkten. Außerdem kann man durch Kälteanwendungen und Ultraschalltherapie der Entzündung entgegenwirken.

Die aktive Physiotherapie dagegen beinhaltet zumeist Dehn- und Mobilisationsübungen, um gezielt die Beweglichkeit des Gelenks zu steigern.

Ein weiter wichtiger Baustein in der Behandlung von Achillessehnenverletzungen ist die Trainingstherapie. Durch spezielle Übungen wird die Belastbarkeit der Strukturen wiederhergestellt, um den Muskelsehnenapparat auf die einwirkenden Belastungen vorzubereiten.

Operative Behandlung von Achillessehnenverletzungen

Eine operative Behandlung von Achillessehnenverletzungen wird in der Regel bei akuten Verletzungen in Betracht gezogen. Eine Ruptur der Achillessehne wird beispielsweise in der Regel operativ versorgt.

Eine chirurgische Versorgung kann außerdem notwendig sein, wenn die konservative Behandlung von chronischen Achillessehnenverletzungen nicht erfolgreich ist.

Eine der häufigsten operativen Verfahren zur Behandlung von Achillessehnenverletzungen ist die sogenannte “Achillessehnenrekonstruktion”. Dabei wird die beschädigte Achillessehne durch ein körpereigenes oder künstliches Sehnenmaterial ersetzt, um die Heilung und die Wiederherstellung der Funktion zu unterstützen.

Eine andere Technik, welche häufig in der Behandlung von Achillessehnenverletzungen Anwendung findet, ist die Naht der Achillessehne. In diesem Verfahren nähert man beide gerissenen Enden der Sehne an und verbindet diese durch eine massive Naht operativ miteinander.

Behandlung von Achillessehnenverletzungen – Das Alfredson-Protokoll

Das Alfredson-Achillessehnen-Protokoll ist ein Behandlungsprotokoll für Patienten mit chronischen Achillessehnenbeschwerden (Achillodynie). Entwickler ist der schwedische Orthopäde Hakan Alfredson entwickelt. Das Protokoll basiert auf der Idee, dass eine Überlastung der Sehne durch eine hohe Belastung mit niedriger Intensität behandelt werden sollte.

Das Alfredson-Achillessehnen-Protokoll besteht aus mehreren Phasen und umfasst sowohl Dehn- als auch Kraftübungen für die Achillessehne.

Die erste Phase (Phase 1) besteht aus Dehnübungen und ist darauf ausgelegt, die Durchblutung der Achillessehne zu verbessern und die Beweglichkeit des Sprunggelenks zu erhöhen.

In der zweiten Phase (Phase 2) intensivieren sich die Übungen durch das Hinzufügen von Gewichten schrittweise. Die exzentrischen Übungen in dieser Phase sind darauf ausgelegt, die Kraft und die Belastbarkeit der Achillessehne zu erhöhen.

Die dritte Phase (Phase 3) besteht aus sport- oder aktivitätsbezogenen Übungen, die darauf abzielen, die Funktionsfähigkeit der Achillessehne in alltäglichen Aktivitäten und im Sport wiederherzustellen.

Fazit

In einem aktuellen Review von Malliares (2022) wird der state-of-the-art in der Behandlung von Achillessehnenverletzungen dargestellt. Obwohl sich das Alfredson-Protokoll als eine effektive Möglichkeit in der Behandlung von Achillessehnenverletzungen erweist, mangelt es an evidenzbasierten Langzeitstudien.

Es ist wichtig darauf zu achten, die Belastung der Dehn- bzw. Kräftigungsübungen progressiv zu steigern, um eine optimale Anpassung der Strukturen zu erreichen.