Patellofemorales Schmerzsyndrom – Wie wird man es los?

Ein Patellofemorales Schmerzsyndrom klingt nach einer ernsten Sache. Doch was hat es mit diesem mystisch klingenden Syndrom auf sich und warum sind vor allem Läufer von den diffusen Knieschmerzen betroffen? Neben dieser beantworten wir noch weitere Fragen zum Thema Symptomatik, Risikofaktoren und Ursachen, sowie zur Therapie des Patellofemoralen Schmerzsyndroms.

Das steckt hinter den diffusen Knieschmerzen

Um das Schmerzsyndrom überhaupt verstehen zu können, erläutern wir zunächst den anatomischen Aufbau des Kniegelenks.

Das Kniegelenk wird aus dem Oberschenkel- (Femur) und dem Schienbeinknochen (Tibia) gebildet. Doch es gehört noch ein dritter Gelenkpartner dazu, welches das Kniegelenk vervollständigt. Die Kniescheibe (Patella) ist ein Sesambein, das maßgeblich an der Bewegung des Kniegelenks beteiligt ist und als Umlenkrolle der Kräfte dient. Wie die Namen schon preisgeben, wird das Patellofemoralgelenk aus der Patella und dem Femur gebildet. Also wissen wir aufgrund des Namens schonmal, WO der Schmerz auftritt. Gilt nur noch zu klären, WARUM er auftritt. Das klären wir nun.

Was ist das Patellofemorale Schmerzsyndrom?

Ein Syndrom bedeutet erstmal, dass eine Vielzahl an Symptomen an einer bestimmten Struktur auftreten und die Ursache bzw. Herkunft der Problematik nicht genau geklärt ist. Somit kann ein Syndrom auch als eine Art Symptomkomplex verstanden werden, der typisch für eine bestimmte Erkrankung ist.

Das Patellofemorale Schmerzsyndrom ist per Definition also eine schmerzhafte Symptomatik im Bereich der Kniescheibe (Patella), deren Ursache nicht eindeutig in der Diagnostik abgeklärt wurde.

Häufig macht sich der Schmerz beim Treppensteigen, beim Knien oder während/nach dem Laufen bemerkbar.  Typisch sind stechende und plötzlich auftretende Schmerzen im Bereich der Kniescheibe. Doch ehe wir ausführlich auf die Symptome eingehen, werden zunächst die Ursachen sowie die Risikofaktoren besprochen.

Ursachen des patellofemoralen Syndroms

Klassischerweise haben Syndrome extrem viele Ursachen, dass man garnicht einzelne hervorheben kann. Stellt euch ein Syndrom als Ursachenkomplex vor, bei welchem das Eine zum Anderen führt und daher eine Kombination aus mehreren Symptomatiken ist.

Als potentielle Risikofaktoren stehen zunächst die anatomische Anomalien. So trägt zum Beispiel eine nach innen rotierte Stellung des Oberschenkels eine Gefahrenquelle für das Patellofemorale Schmerzsyndrom dar. Oftmals ist dies mit einem X-Bein (Genu valgum) verbunden, wodurch sich der Kniewinkel zwischen Ober- und Unterschenkel verändert und die umliegenden Strukturen deutlich stärker belastet werden. Außerdem kann die Form der Kniescheibe selbst ursächlich für den Schmerz sein. Sitzt beispielsweise die Patella nicht passgenau auf dem Gelenk, kann es bei Belastung zu einer Reibung und letztendlich zu einer Entzündung kommen. Weiterhin spielt in dem einen oder anderen Fall einer Überpronation des Fußes eine Rolle. Dies ist eine Fußfehlstellung, bei der die Innenseite des Fußen nach Innen absinkt. Zumeist ist die Überpronation die Reaktion der Füße auf eine X-Beinstellung, die von der Hüfte ausgeht. Lest hier in unserem Beitrag alles über die X-Beinstellung und der Therapie.

Eine andere mögliche Ursache für das Patellofemorale Schmerzsyndrom können Traumata sein. Oftmals bekommen Sportler (vor allem bei Ballsportarten) direkte Schläge auf die Kniescheibe, die im Verlauf zu Schmerzen führen könne. Auch indirekte Schläge auf das Schienbein oder den Oberschenkelmuskel können nach geraumer Zeit in einem Schmerzsyndrom enden.

Studien haben gezeigt, dass die Schwäche des Oberschenkelmuskels, der Quadrizeps, ebenso dazu beitragen kann, dass die Biomechanik im Knie defizitär ist. Vor allem der Vastus medialis, also der innere Teil des Quadrizeps ist bei einer Atrophie (Abschwächung) Schuld an den lästigen Knieschmerzen.

Patellofemorales Schmerzsyndrom – Symptome

Wie bereits erwähnt, kann sich das Krankheitsbild unterschiedlich ausprägen. Bei manchen entstehen sehr starke und auch in Ruhe anhaltende Schmerzen, während manche nur minimales Unwohlsein während der Belastung verspüren.

Am häufigsten geben Betroffene mit diagnostizierten patellofemoralen Schmerzsyndrom einen leichten Schmerz auf der Vorderseite des Knies an. Diese Schmerzen werden in der Regel allmählich und in Abhängigkeit von Belastung stärker.

Vor allem bei Bewegungen, bei denen das Knie wiederholend gebeugt wird führt zu Schmerzen. Daher sind Treppen laufen oder in die Hocke gehen oft problematisch. Außerdem kann langes Sitzen, zum Beispiel im Büro oder auf langen Autofahrten zu Schmerzen führen. Das Sitzen selbst ist nicht das Problem, vielmehr da Aufstehen danach sorgt häufig für den typischen Schmerz in der Knieregion.

Die Schmerzen tauchen sowohl unter Patella als auch kreisförmig um die Kniescheibe herum auf. Außerdem kann in einem fortgeschrittenen Stadium der Schmerz auch in das umliegende Gewebe ausstrahlen. Wenn das der Fall ist, strahlt der Schmerz zumeist den Oberschenkel hoch in die Region des Quadrizeps oder über die Innenseite der Oberschenkelmuskulatur, den Adduktoren. 

Prävention und Therapie

Wie man sieht, kann eine nicht optimale Biomechanik (Beinachse, Fehlstellung etc.) ein Grund für das Entwickeln des Patellofemoralen Schmerzsyndroms sein. Diesen Aspekten kann man allerdings sehr gut vorbeugen bzw. entgegenwirken.

Wir von Medical Dude haben eine Methode entwickelt, um Fehlbelastungen zu identifizieren und diese trainingstherapeutisch zu behandeln.

Informiert euch hierzu über unsere smarte Ganganalyse sowie unsere individuelle Trainingsintervention für Sportler.  

Hat euch ein Patellofemorales Schmerzsyndrom bereits erwischt kommt jegliche Prävention zu spät. Aber keine Sorge, in der Regel lässt sich dieses durch einfache Maßnahmen oder Physiotherapie vollständig lindern.

Ihr solltet auf jeden Fall eine mehrwöchige Trainingspause in Betracht ziehen. Meist reichen 4 Wochen aus, um die akute Phase der Schmerzen zu bewältigen. Im Anschluss solltet ihr sicherstellen, dass das Knie, insbesondere der Quadrizeps gut trainiert sind. Hierzu eignen sich einfach aber dennoch effektive Kräftigungsübungen, um den Oberschenkelmuskel zu stärken. Beispiel hierfür sind Kniebeugen. Führt diese 3x wöchentlich in 3 Sätzen a 10-15 Wiederholungen durch.

Auch die klassischen Ausfällschritte stärken die Beinmuskulatur. Wir empfehlen sie im Anschluss an die Kniebeugen, mit 3 Sätzen mit je 10 Wiederholungen pro Bein durchzuführen.

Falls ihr Läufer seid und ein Patellofemorales Schmerzsyndrom auskuriert habt, solltet ihr unbedingt darauf achten, das Lauftraining nur langsam progressiv zu steigern. Außerdem sollte vorher ein ausgiebiges Aufwärmen stattfinden.

Last but not least muss das Körpergewicht erwähnt werden. Jedes unnötige Kilo muss buchstäblich auf den Knien getragen werden. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass das Übergewicht eine unnötige Mehrbelastung auf die Strukturen bedeutet. Übrigens: Menschen ohne Übergewicht leiden seltener an dem patellofemoralen Schmerzsyndrom.

Unser Ansatz von Medical Dude

Abschließend kann gesagt werden, dass ein Patellofemorales Schmerzsyndrom einer der absoluten Klassiker unter den Laufverletzungen ist. Neben den shin splints, der Plantarfasziitis, der Achillodynie und dem runners knee gehört diese Krankheit zu den häufigsten Überlastungsverletzungen im Sport. Informiert euch in unseren Beiträgen über die anderen chronischen Verletzungen und erfahrt, wie unser Dynamic Tape all diesen Laufverletzung durch Reduzierung der Belastung entgegenwirken kann.