Blood Flow Restriction Training – Erklärung für Therapeuten

Blood Flow Restriction Training ist eine wertvolle Therapieergänzung

Das Blood Flow Restriction Training (BFRT), auch Okklusionstraining genannt, ist eine Rehabilitationstechnik, die bei Ärzten und Physiotherapeuten schnell an Beliebtheit gewinnt. Tatsächlich ist die Popularität und der therapeutische Wert so groß, dass viele Kraft- und Konditionstrainer sie jetzt verwenden, um bei gesunden Sportlern Kraft aufzubauen. Ursprünglich in den 1970er Jahren von Dr. Kaatsu vorgeschlagen, erschien die erste Veröffentlichung 1998 (Shinohara 1998). In einem sehr interessanten und lehrreichen Beitrag gibt Sporttherapeut Christian Bitzer eine wissenschaftlich fundierte Anleitung zur korrekten Durchführung von BFR Training nach einer Verletzung. Diesen findet man hier auf seiner Webseite. 

Blood Flow Restriction Training als multifaktorieller Therapieansatz

Das Ziel der Technik ist, den venösen Abfluss der betroffenen Extremität zu verschließen, ohne dabei den arteriellen Zufluss zu begrenzen. Dies führt zu einer anaeroben Umgebung, in der Ischämie und Hypoxie auftreten. Es entsteht eine Erzeugung von Zellsignalen und hormonellen Veränderungen, welche ähnlich wie beim hochintensiven Widerstandstraining sind. Infolge wird dies klinisch zu einem relevanten Rehabilitationsinstrument für den Bewegungsapparat, da es nicht die hohen Kräfte erfordert die zu einer hohen Belastung der Gelenke führen.

Damit können Sportler eine erhöhte Muskelbelastung und damit auch physiologische Veränderungen auf einem niedrigeren Niveau des Krafttrainings erreichen. Der genaue Wirkungsmechanismus ist kaum bekannt, aber mehrere vorgeschlagene Theorien umfassen: (a) hauptsächlich im Zusammenhang mit metabolischem Stress und mechanischer Spannung, (b) erhöhter systemischer Hormonproduktion, (c) Zellschwellung, (d) Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) ), (e) intramuskuläre anabole / antikatabolische Signalübertragung und (f) erhöhte Rekrutierung von schnell zuckenden Fasern. Der Ansatz ist wahrscheinlich multifaktoriell.

Dabei konzentriert sich die Technik auf eine Manschette die eine Okklusion, beziehungsweise einen Verschluss hervorruft. Hierfür gibt viele Produkte, wie zum Beispiel pneumatische Manschetten, handgepumpte Blutdruckmanschetten, elastische Wickel und Kaatsu-Bänder. Das Ausmaß der Okklusion reicht von 60 bis 270 mm Hg (Shinohara 1998). Das Ausmaß des Trainingswiderstands kann dabei zwischen 10% und 50% des 1 RM ( One Repetition Maximum) variieren. Entlang der oberen Extremität wird die Manschette am proximalen Oberarm und bei der unteren Extremität am proximalen Oberschenkel platziert.

Blood Flow Restriction wird nach Kreuzbandrissen besonders häufig eingesetzt.

Es gibt eine ziemlich starke Evidenz für den Wert von BFRT bei unverletzten Personen. So wurde gezeigt, dass es die VO2max- und arterielle Compliance erhöht (Ozaki 2011), die Muskelkraft und -hypertrophie erhöht (Loenneke 2012), die Muskelquerschnittsfläche erhöht (Takarada 2004), die Glykogenspeicherung erhöht und ATP verringert (Burgomaster 2003). Bei unverletzten Athleten wurde gezeigt, dass das Okklusionstraining Kraft und Muskelgröße (Wortman 2020), Sprintleistung (Abe 2005), aerobe Kapazität (Abe 2010), Muskelausdauer und Sprungleistung (Manimmanakorn 2013) erhöht. Bei Hochschulsportlern (Luebbers 2014) und Jiu-Jitsu-Kämpfern (Neto 2014) wurde ein Vergleich mit schwerem Krafttraining zur Steigerung der 1RM-Kniebeugenleistung durchgeführt.

Für die Erholung von pathologischen Prozessen sind die Beweise spärlicher. Demzufolge wird BFRT am häufigsten zur Rehabilitation nach VKB Rekonstruktion eingesetzt. (Mehr zum Thema Kreuzbandriss hier) Mehrere Studien bestätigten hier einen Nutzen. BFRT scheint die postoperative Atrophie abzuschwächen (Ohta 2003) und hilft beim frühen Muskeltraining (Takarada 2000).

BFRT wird häufig für die Reha bei postoperativen Behandlungen verwendet. Hilfreich ist sie vor allem nach einer Meniskusreparatur oder -entfernung oder auch einer Kniearthroskopie. Dabei ist die Studienlage aber bisher relativ uneindeutig und im Allgemeinen aus der VKB Reha-Forschung extrapoliert wird. Es gibt Hinweise darauf, dass das Okklusionstraining bei Frauen mit einem Risiko für Knie-Arthrose zur Erhöhung der Beinpresse und der Kniestreckkraft eingesetzt werden kann (Segal 2003). Andere Studien haben dabei keinen signifikanten Nutzen gezeigt, obwohl während der Physiotherapie weniger Knieschmerzen auftraten (Segal 2015, Bryk 2016). Um in diesem Rahmen Schmerzen und Schwellungen vorzubeugen bietet sich ebenfalls der Einsatz einer Kälte- und Kompressionstherapie an.

Blood Flow Restriction gilt als besonders risikoarme Therapie

BFRT gilt allgemein als sicher. Dabei besteht das größte Risiko dairn, die Manschette über einen zu langen Zeitraum angelegt zu lassen, was zu einer verlängerten Ischämie und dauerhaften Schäden führen kann. Deshalb wird empfohlen, das Okklusionstraining von erfahrenen Therapeuten und Krafttrainern durchführen zu lassen. Andere mögliche Komplikationen können venöse Thromboembolien, Schwellungen, Lymphödeme, Nerven- und Hautverletzungen sein. Zu den gemeldeten Nebenwirkungen zählen Ohnmacht, Schwindel, Taubheitsgefühl, Schmerzen, Beschwerden und Muskelkater (Brandner 2018). Prinzipiell gibt es keine absoluten Kontraindikationen. Personen mit bestimmten chronischen Krankheiten, wie beispielsweise peripheren arteriellen Erkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit und Sichelzellenerkrankungen sollten allerdings vorsichtiger behandelt werden.

Fazit

Zusammenfassend ist das Okklusionstraining eine vielversprechende Zusatztherapie. Dies gilt sowohl für den gesunden- als auch für den sich erholenden Sportler. Es gibt derzeit noch einen Mangel an Literatur in diesem Feld. Dabei ist die Studienlage in Bezug auf die VKB-Rehabilitation sowie in Bezug auf Knie-Arthrose am gesichertsten. Um die Studienlage zu verbessern sind allerdings noch weitere Studien und Untersuchungen erforderlich, um die Rolle der BFRT auch für andere Anwendungsfälle besser zu verstehen. Da es sich jedoch um eine relativ sichere Technik handelt, sollte sie weiterhin zur Steigerung der Kraft und Kondition bei gesunden Sportlern sowie zur Rehabilitation und Prävention von Krankheiten nach chirurgischen und nicht-chirurgischen Erkrankungen eingesetzt werden.