Gangstörung – Ursachen und Arten

Von einer Gangstörung oder einer Abnormität des Gehens spricht man, wenn eine Person nicht die motorischen Eigenschaften aufweist, die für gleichmäßiges und symmetrisches Gehen notwendig sind. Dies kann auf Verletzungen, Grunderkrankungen oder Probleme von Hüfte, Beinen und Füßen deuten, die kurz-, mittel- und langfristige Ursachen haben können. Eine Ganganalyse kann dabei helfen, eine Problematik in dem Gangbild festzustellen. Basierend darauf können eventuell physiotherapeutische Maßnahmen erfolgen um das Gangbild zu verbessern,

Das Gehen gehört für die meisten Menschen als selbstverständliche Komponente des Alltags an. Wie komplex das Gehen aber eigentlich ist und welch sensorische sowie motorische Fähigkeiten dafür nötig sind wird einem erst bewusst, wenn der Gang mal unrund oder schmerzerfüllt ist. Dann wird deutlich, wie viele Körpersysteme zusammenarbeiten müssen, damit eine Person normal gehen kann. Wenn eines oder mehrere dieser zusammenwirkenden Systeme nicht reibungslos funktionieren, kann dies zu einer ein gestörten oder abweichenden Gehbewegung kommen. Was dahinter steckt und welche verschiedenen Typen es gibt erfahrt ihr hier im Blog.

Was ist eine Gangstörung?

Ein abnormaler Gang oder eine Ganganomalie liegt vor, wenn die für das Gehen relevanten Körpersysteme nicht in der üblichen Weise funktionieren. So können sowohl sensorische als auch motorische Partien des Zentralen Nervensystems (ZNS) dafür zuständig sein, dass ein abnormales Gangbild vorliegt. Gründe dafür können sein:

  • Krankheit
  • genetische Faktoren
  • Verletzung
  • Anatomische Anomalien in den Beinen oder Füßen

In einigen Fällen können sich Gangstörungen von selbst wieder zurückbilden, wenn diese beispielsweise durch eine Verletzung verursacht wurde, die nach einiger Zeit wieder von selbst heilt. In anderen Fällen kann eine Gangstörung dauerhaft sein.

Arten

Es gibt verschieden Arten des gestörten Gangbilds. Die fünf häufigsten sind:

  • spastischer Gang
  • Scherengang
  • Steppergang
  • Watschelgang
  • Hinkender Gang

Spastischer Gang

Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung des ZNS. Es wird unterschieden zwischen einer schlaffen und einer spastischen Lähmung. Bei einer schlaffen Lähmung schleift oftmals der Fuß über den Boden während eine Person mit einer spastischen Lähmung beim Gehen sehr steif wirkt.

Scherengang

Diese Art von Gangstörung basiert auf einer hypertonen (zu starken) Ausprägung der Adduktorenmuskulatur, also die Muskulatur an der Oberschenkelinnenseite.  Bei diesem Typus kreuzen sich die Beine einer Person beim Laufen und Stoßen deshalb oft aneinander. Die kreuzende Bewegung kann dem Öffnen und Schließen einer Schere ähneln, woher der Name kommt.

Steppergang

Beim Steppergang zeigen die Zehen einer Person beim Gehen in Richtung Boden. Dies ist die Folge einer Lähmung der Fußhebermuskulatur. Um dies auszugleichen, müssen betroffene Personen die Knie besonders hoch ziehen, weshalb man diese Art von Gangstörung auch als Storchengang bezeichnet.

Watschelgang

Wie der Name schon sagt, bewegt sich eine Person mit einem Watschelgang beim Gehen von einer Seite zur anderen. Der Grund dafür ist meist eine Insuffizienz des Musculus Gluteus medius, ein Gesäßmuskel, der für die Aufrechterhaltung der Hüftposition verantwortlich ist. Ist dieser geschwächt, muss die betroffene Person das Gewicht des Oberkörpers bei jedem Schritt von rechts nach links verlagern. Typisch ist eine sehr geringe Schrittlänge.

Propulsiver Gang

Beim treibenden Gang werden Kopf und Hals des Betroffenen nach vorne gebracht. Typisch ist eine starre, gebückte Haltung, mit Blick nach unten. Meist ist dieser Gang bei älteren Menschen anzutreffen, die altersbedingt die gesunde Biomechanik des Laufens verloren haben.

Zusätzlich zu diesen fünf Arten von Ganganomalien gibt es noch den hinkenden Gang. Ähnlich wie bei anderen Anomalien kann ein Hinken entweder vorübergehend oder dauerhaft anhalten. Oft ist ein Hinken einer orthopädischen Pathologie geschuldet und kann auch ohne medizinischen Eingriff wieder verschwinden.

Ursachen

Verletzungen der unteren Extremität kann kurzfristig, in manchen Fällen aber auch langfristig eine Gangabweichung verursachen. Gicht oder Fersensporn können ebenfalls für ein gestörtes Gangbild sorgen. Eine häufige Problematik, vor allem bei aktiven Menschen ist die Plantarfasziitis. Dies ist eine Entzündung der Sehnenplatte an der Fußsohle, welche am Fersenbein mündet. Häufig steht als Ursache eine Überlastung des Gewebes dahinter. Hinter der Plantarfasziitis können allerdings auch ganz andere Auslöser stehen. In ihrem Beitrag gibt Triathletin Laura Chacon Biebach einen ausführlichen Einblick in die Welt des Triathlons, und wie eine solch langwierige Erkrankung der Plantarfaszie von ihr gehandhabt wird.

Oft sind akute Traumata wie Prellungen, Bänderdehnungen- und risse oder auch Knochenverletzungen aber ursächlich für eine Gangstörung. Dies kann dazu führen, dass die betroffenen Personen hinken oder anders gehen.

Es gibt jedoch eine Reihe von Krankheiten, die das Nervensystem betreffen. Ursache dafür kann Geburtskomplikationen, Infektionen, Bakterien aber auch Unfälle sein. Weitere neurologische Ursachen für Ganganomalien können sein:

  • Schlaganfall
  • Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Zerebrale Lähmung

Diagnose

Ein abnormaler Gang kann offiziell nur von einem Arzt diagnostiziert werden. Möglicherweise ordnet er aber auch zusätzliche Untersuchungen an um etwa neurologische Erkrankungen und Nervenschäden zu diagnostizieren.

Typischerweise werden bildgebende Untersuchungen durchgeführt, wenn erst kürzlich eine Verletzung aufgetreten ist, um das Ausmaß der Schädigung festzustellen.

Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler sind ebenfalls in der Lage, durch modernste Technik und praktischen Diagnosewerkzeuge, bereits frühzeitig kleinere Ganganomalien zu detektieren. Durch eine Ganganalyse können oft frühzeitig Anomalien im Gehen festgestellt werden. Die Ganganalyse erfolgt meist von Spezialisten in einem Labor, können aber durch moderne Technik während des Alltags stattfinden.

Behandlung

Wenn eine Grunderkrankung die Ursache für einen abnormalen Gang ist, kann sich der Gang einer Person unter Umständen von selbst korrigieren, wenn die Erkrankung behandelt wird. Dies ist vor allem bei orthopädischen Grunderkrankungen der Fall. Andere Verletzungen können eine Operation oder Physiotherapie erfordern, um den Gang wieder zu normalisieren.

Bei langfristigen Gangstörungen ist es wahrscheinlich, dass eine Person Hilfsmittel zur Behandlung einsetzt. Eine Behandlung kann eine Gangabweichung zwar nicht immer vollständig korrigieren, aber in den meisten Fällen zumindest die Schwere der Symptome verringern.

Im Vordergrund der physiotherapeutischen Gangschule steht vor allem die Wederherstellung des physiologischen Gangbilds als auch die Minimierung der Sturzgefahr. Die Ganganalyse erfolgt meist subjektiv durch den Therapeuten, kann aber auch professionell mittels Software durchgeführt werden.

Vor allem bei muskulären, aber auch bei einigen neurologischen Krankheitsbildern kann eine gezielte Muskelkräftigung sowie ein sensomotrisches Training dabei helfen, die Beinachse zu stabilisieren und den Abrollprozess zu verbessern.

Vorbeugung

Bei neurologischen oder angeborenen Gangstörungen ist oft eine Vorbeugung nicht möglich, da dies oft eine genetische und somit multifaktorielle Ursache ist, die bis heute aus medizinischer Sicht teilweise noch wenig erforscht ist.

Andere, orthopädische Gründe einer Gangstörung kann im Rahmen einer Verletzungsprophylaxe stattfinden. Zu den präventiven Maßnahmen gehören:

  • Vermeidung der Teilnahme an Kontaktsportarten
  • das Tragen von Schutzkleidung beim Sport
  • das Tragen von gutsitzendem Schuhwerk bei körperlicher Betätigung
  • Ausgeglichene, kräftige Beinmuskulatur als Schutz vor Verletzung

Ausblick

Eine Person mit einer Gangabweichung hat unter Umständen zusätzliche Beschwerden und Schmerzen im Zusammenhang mit ihrem Gangbild entwickelt. Einige Ursachen für eine Gangabweichung sind kurzfristig und leicht zu behandeln, während andere ein Leben lang andauern können.

Physiotherapie und andere Behandlungen können helfen, eine Gangabweichung zu lindern oder zu heilen. Vor allem eine gesunde Biomechanik sowie eine ausgeprägte  Muskulatur der unteren Extremität können daher alltags- sowie sportbedingte Verletzungen verhindern. Mithilfe der Ganganalyse können Anomalien im Gangbild festgestellt werden. Die Ganganalyse ist somit ein wertvolles Diagnostiktool und wird von Spezialisten durchgeführt.