Exzentrische Lasten im Profisport – warum reine Stabilisation nicht ausreicht

Dynamic Tape Rugby

Im modernen Profisport gewinnt in vielen Disziplinen nicht automatisch derjenige, der am meisten Kraft produziert. Entscheidend ist oft etwas Unscheinbareres: Wer kann diese Kraft im richtigen Moment wieder “einfangen”? Beschleunigen sieht immer spektakulär aus, aber was ist eigentlich mit dem Abbremsen? Das passiert im Bruchteil einer Sekunde und verlangt dem Körper biomechanisch alles ab.

Und genau da wird es spannend, denn hier kommen exzentrische Lasten ins Spiel.

Exzentrische Lasten – was steckt dahinter?

Exzentrische Muskelarbeit bedeutet: Ein Muskel steht unter Spannung, während er länger wird. Klingt erstmal widersprüchlich, ist aber Alltag im Hochleistungssport.

Ein paar typische Situationen:

  • Der Quadrizeps, wenn ein Sprinter nach voller Beschleunigung abrupt stoppt

  • Die Hamstrings im „Terminal Swing“, also kurz bevor der Fuß den Boden berührt

  • Die Rotatorenmanschette, wenn ein Tennisaufschlag nach dem Schlag abgebremst wird

  • Die Achillessehne bei der Landung nach einem Sprung

Physikalisch passiert hier Folgendes: Der Muskel-Sehnen-Komplex muss kinetische Energie aufnehmen, kontrollieren und irgendwie „verdauen“. Je höher die Geschwindigkeit, desto höher die Last. Im Fußball erzeugen Richtungswechsel Kräfte, die locker ein Mehrfaches des Körpergewichts erreichen. Im Rugby kommen Kontaktkräfte dazu. Und in der Leichtathletik wirken beim Sprint enorme exzentrische Belastungen auf die ischiokrurale Muskulatur.

Warum klassische Stabilisation oft zu kurz greift

Viele traditionelle Ansätze: Starres Tape, Bandagen und Orthesen verfolgen ein simples Ziel: Bewegung begrenzen. In der akuten Verletzungsphase? Absolut sinnvoll.

Im Hochleistungssport? Komplizierter.

Denn hier entsteht schnell ein Dilemma:

  • Zu viel Restriktion: und die Performance leidet.

  • Zu wenig Unterstützung: Das Verletzungsrisiko steigt.

Starre Systeme blockieren Bewegung. Sie absorbieren aber kaum Energie. Bewegung ist im Sport aber eben keine Störung. Sie ist das Ziel. Die entscheidende Frage lautet also nicht: Wie verhindere ich Bewegung? Sondern vielmehr: Wie manage ich Last innerhalb funktioneller Bewegung?

Dynamic Tape Studie - Verletzungsrisiko Knie

Der Muskel-Sehnen-Komplex

Muskeln und Sehnen arbeiten nicht isoliert wie einzelne Bauteile. Sie bilden ein viskoelastisches System. Sehnen speichern Energie – ähnlich wie eine gespannte Feder – und geben sie in der konzentrischen Phase wieder ab. Exzentrische Arbeit ist deshalb kein bloßes Bremsen. Sie ist ein Energiespeicher-Mechanismus. Je effizienter dieses System funktioniert, desto ökonomischer wird Bewegung.

Problematisch wird es, wenn:

  • Strukturen überlastet sind

  • die neuromuskuläre Kontrolle nachlässt

  • Ermüdung die Energieaufnahme beeinträchtigt

Dann konzentriert sich die Last plötzlich auf einzelne Gewebe. Tendinopathien, muskuläre Dysbalancen. Diese Probleme entstehen selten aus dem Nichts. Oft ist es schlicht ein Missverhältnis zwischen aufgenommener und verarbeiteter Energie.

Mechanische Unterstützung statt Bewegung zu unterbinden

Hier setzt ein anderer Gedanke an: Unterstützung durch externe elastische Systeme, die Energie aufnehmen können, ohne den Bewegungsumfang drastisch einzuschränken. Ein viskoelastisches Tape mit hoher Dehnbarkeit und klarer Rückstellkraft funktioniert physikalisch fast wie ein zusätzlicher Energiespeicher:

  • Es spannt sich bei exzentrischer Dehnung

  • Es absorbiert einen Teil der mechanischen Last

  • Es gibt Energie in der konzentrischen Phase wieder ab

Das Ziel ist hierbei nicht die Immobilisation, sondern Lastumverteilung. Im Unterschied zu rein sensorisch orientierten Taping-Konzepten, die vor allem über Hautreizung und Propriozeption arbeiten, steht hier die mechanische Komponente im Vordergrund. Man könnte es salopp sagen: Nicht „mehr Feedback“, sondern eine intelligente Kraftübernahme.

Exzentrische Lasten und typische Verletzungen

Viele klassische Sportverletzungen entstehen in genau dieser Bremsphase:

  • Hamstring-Strains in der Endphase des Sprints

  • Achillessehnenprobleme bei wiederholten Landungen

  • Patellatendinopathien bei Sprungbelastungen

  • Schulterüberlastungen in Wurf- und Schlagsportarten

Die Lastspitze liegt fast immer im exzentrischen Moment. Und reine Stabilisation verhindert diese Spitze nicht automatisch, manchmal verschiebt sie sie auch nur. Ein elastisches System kann hingegen die Kraft über einen etwas längeren Zeitraum verteilen. Biomechanisch bedeutet das: geringere Spitzenkraft bei gleicher Bewegungsamplitude. Dies ist im Grenzbereich von Belastung und Gewebetoleranz oft entscheidend.

Performance: Es geht nicht nur um Prävention

Im Profisport zählt nicht nur die Vermeidung von Verletzungen. Es geht um:

  • schnellere Return-to-Play-Phasen

  • weniger subklinische Überlastung

  • effizientere Energieübertragung

  • Training unter kontrollierter Belastung

Ein Athlet, der exzentrische Last effizient managt, kann schlicht öfter und intensiver trainieren. Und das ist am Ende ein Wettbewerbsvorteil. Belastung an sich ist nicht das Problem, sonderun unkontrollierte Belastung. Externe elastische Unterstützung kann – wohlgemerkt situativ und sinnvoll integriert – eine Brücke schlagen zwischen Reha und voller Wettkampfbelastung. Es ist dabei natürlich kein Ersatz für Training, aber ein sinnvolles Werkzeug, das im Profisport häufig seinen Einsatz findet.

Fazit

Exzentrische Lasten sind kein Nebenschauplatz. Sie sind Kern jeder schnellen, kraftvollen Bewegung im Profisport. Sie entscheiden mit darüber, wie effizient ein Athlet performt und am Ende auch darüber wie verletzungsanfällig er ist. Reine Stabilisationsstrategien greifen oft zu kurz. Was moderne Sportmedizin zunehmend braucht, ist differenziertes Lastmanagement, vor allem in der Bremsphase. Vielleicht liegt die Zukunft der Performance-Unterstützung nicht darin, Bewegung zu blockieren. Sondern darin, Kräfte klug zu lenken. Wenn man beginnt, Sport als Spiel aus Energiefluss und Lastabsorption zu verstehen, merkt man ziemlich schnell:

Nicht jede Unterstützung schränkt ein. Manche macht Bewegung überhaupt erst nachhaltig möglich. Genau hier setzen wir mit Dynamic Tape an. Bewegungen führen, ohne den Bewegungsradius einzuschränken.

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